KitchenAid Multicooker: Die Test-Zwischenbilanz

KitchenAid Muklticooker - die Größe

Was macht man, wenn man ein Gerät wirklich gut finden möchte, es aber nicht kann? Ich bin ein großer KitchenAid-Fan und liebe meine Küchenmaschine, die seit fast 12 Jahren klaglos ihren täglichen Dienst in meiner Küche tut. Und lieben wollte ich auch den Kitchen Aid Multicooker – zeigt das nicht allein die Tatsache, dass ich mir zu meinen acht Slowcookern noch Gerät Nummer neun gekauft habe, mit 239 Euro achtmal so teuer wie ein „normaler“ Crockpot? Kann er auch achtmal soviel beziehungsweise ist er achtmal soviel wert? Ich hätte gern „ja“ gesagt – aber leider habe ich das erste Gerät schon nach drei Kochversuchen zum Händler zurück schicken müssen, weil es beim Langsamgaren die Temperaturstufen nicht hielt, also als Slowcooker nicht geeignet war. Aber jetzt mal von Anfang an…

Mein erster Eindruck (siehe hier im Video bei YouTube) war ausgesprochen positiv: Ein gut verarbeitetes Gerät und – typisch für KitchenAid – ansehnlich gestaltet mit Retro-Flair. Topf und Deckel sind schwer, sehr gut beschichtet und passen 1a aufeinander (wer schon mal einen klappernden Slowcooker-Deckel erlebt hat, weiß das zu schätzen). Der Multicooker ist riiiiesig groß, bietet dabei aber nur einen nutzbaren Inhalt von etwa 4 Litern – aber welche Vorteile die ausladende Bauweise hat, zeigt schon der erste Kochversuch: Die Außenhülle ist so gut isoliert, dass man sie jederzeit – selbst nach acht Stunden (Fast-)Slowcooking – mit den Händen anfassen kann. Eingängig wirkt anfangs auch die Bedienung – durch Drücken aufs Display schaltet man zwischen den verschiedenen Heizstufen hin und her. Dass es soooo einfach aber nicht geht, zeigte dann die erste Inbetriebnahme, siehe unten…

Kochversuch 1: Der Multicooker als Reiskocher

Reiskochprogramm KitchenAid Multicooker Reiskochprogramm KitchenAid Multicooker

Der entscheidende Unterschied zu einem günstigen, einfachen Slowcooker sind die unterschiedlichen Heizstufen des Multicookers, die Möglichkeit, direkt im Gerät anzubraten und die vorgefertigten „Kochprogramme“ zum Beispiel für Reis, Risotto, Suppe. Also warum zum Anfang nicht mal was ganz einfaches erledigen, also das „Reisprogramm“ laufen lassen? Laut Bedienungsanleitung gibt man 190 Gramm Reis mit gut 400 ml Wasser in den Topf – eine Menge, die darin förmlich verschwindet und für vier Esser keinesfalls reicht.

Wie man mehr zubereitet? Lapidar heisst es in dem Heftchen: „Die vorgegebene Kochdauer (Anm.: 35 Minuten)  ist für 190 g trockenen Reis gedacht. Sie können die Dauer je nach Reismenge ändern.“ Ja, wie denn genau – und was ist mit der Wassermenge?  Der Gebrauchsanweisung eines 80-Euro-Multikochers eines koreanischen No-Name-Herstellers hätte ich eine solche Anweisung vielleicht noch verziehen, aber beim Rolls Royce der Multikocher? Sei’s drum: Ich habe besagte 190 Gramm Reis zufriedenstellend im Multicooker zubereitet. Und anschließend nach dem Motto „Pi mal Daumen“ gleich nochmal 400 g Reis und 900 ml Wasser für 40 Minuten gegart – das  reichte aber nicht ganz. Hier hätte ich mir schon eine Tabelle mit mehreren Mengen und Garzeiten gewünscht.

Kochversuch 2: Der Multicooker als Slowcooker

Gemuesecurry

Ein ganz einfaches Gemüsecurry aus unserem vegetarischen Kochbuch stellte meinen zweiten Kochversuch da. Kartoffeln, Zwiebeln, Kokosmilch und Gewürze wandern ohne Anbraten in den Multicooker-Topf, der für die 3,5-l-Füllmenge der meisten Slowcooker-Rezepte sehr gut zu passen scheint. Erster Eindruck: Das Aufheizen des KitchenAid-Gerätes geht ungleich schneller als bei normalen Slowcookern.

Gemuesecurry2Dann aber passiert – nix. Vielleicht weil ich zu dumm bin, vielleicht aber auch, weil nicht deutlich genug in der Bedienungsanleitung steht, dass man den Beginn des Kochvorganges nach dem Erreichen der Solltemperatur nochmal per Knopfdruck bestätigen muss. Tipp: Blinkende Leuchte verlangt nach weiterer Eingabe! Nach einer Stunde und etwas Lesezeit in KitchenAid-Facebook-Gruppen habe ich das heraus gefunden, starte drei Stunden Langsamgaren (wie im Originalrezept angegeben) – allerdings ist danach das Gemüse noch knochenhart. Weil wir aufs Essen warten, stelle ich auf „Boil“ und 100 Grad – 30 Minuten später können wir essen. Alles in allem hat dieser Test lange gedauert – aber Langsamkochen war das nicht.

Kochversuch 3: Anbraten und Langsamkochen im Multicooker

Eine Gulaschsuppe, bei der Kartoffeln/Möhren einerseits und Zwiebeln/Fleisch andererseits vorgebräunt werden, stand anschließend auf dem Testplan. Auch hier fand ich es beindruckend, wie schnell das Gerät die 230 Grad „Anbrattemperatur“ erreichte. Aber gar nicht beeindruckend – genauer gesagt lebensfremd –  fand ich folgende Aussage in der Gebrauchanweisung: „Beim Anbräunen von Fleisch dürfen Sie keine zu große Menge in den Kochtopf geben. Bräunen Sie für optimale Ergebnisse höchstens 0,25 kg gleichzeitig an; so vermeiden Sie auch, dass das Fleisch gedünstet wird.“ Meine 500 Gramm Rindfleisch musste ich also in zwei Chargen anbraten – das hätte ich ein einem „normalen Topf“ wesentlich schneller erledigt, allerdings extra Abwasch gehabt.

Genau wie beim Gemüsecurry passierte auch diesmal auf der Kochstufe „Low“ gar nichts – nach acht Stunden waren alle Zutaten von weich & gar weit entfernt. Ich gab also zweimal eine Stunde „Simmer“ (bei 95 Grad) hinzu – und immer noch kein Köcheln, die gemessene Temperatur im Topf betrug zum Schluss 77 Grad. Ich stellte auf „Boil“ und 100 Grad – nun endlich kochte es (heftig), allerdings zerfielen (wie beim herkömmlichen Kochen eben) die Kartoffeln, während das Rindfleisch noch etwas Zeit zum Zartwerden benötigt hätte.

Nachdem ich zwischendurch mehrfach sicher gestellt hatte, dass ich die Temperaturstufen korrekt eingestellt hatte (kein Blinken der Kontrollleuchte), vermute ich, dass mein Multicooker die niedrigen Temperaturstufen offenbar nicht hielt. Ich habe das Gerät daher verpackt und zum Händler zurück geschickt .

Die Zwischenbilanz meines Tests

Pluspunkte

  • tolle Verarbeitung, ansehnliches Design
  • sehr gut isolierter Außentopf, der sich jederzeit mit den Händen anfassen lässt
  • schwerer Innentopf mit guter Antihaft-Beschichtung, gut passender Deckel

Minuspunkte

  • eine wenig ausführliche, zum Teil sogar missverständliche Gebrauchsanweisung (es gibt nur eine, keine zwei Slowcook-Stufen – das ist offenbar nur in den USA der Fall)
  • kein deutsches Rezeptheft und nicht mal ein Link zur englischsprachigen Ausgabe
  • Bedienung nicht eingängig, erfordert Übungsphase und Nachlesen
  • viel zu geringes Volumen zum Anbraten
  • in meinem Fall: Nicht funktionierende Temperaturregelung bei den Slowcooker-Stufen

Weil die niedrigen Temperaturstufen bei meinem Gerät offenbar nicht funktionierten, habe ich den Multicooker zum Händler zurück geschickt. Ein neues Gerät ist bereits auf dem Weg zu mir, ich werde den Test „Multicooker als Slowcooker“ dann fortsetzen.

 

13 Kommentare zu “KitchenAid Multicooker: Die Test-Zwischenbilanz

  • 1. November 2015

    Hallo zusammen,
    ich bin sehr zufrieden mit meinem Kitchenaid Multicooker. Wichtig ist, dass man vor dem ersten Kochen, die Sprache und Grad einstellt. Dann bekommt man in Deutsch auch alles angezeigt und man braucht keine Gebrauchsanweisung, die schlecht von Kitchenaid ins Deutsche übersetzt worden ist. Auch muss man seine Eingaben immer bestätigen. Dann funktioniert auch das Kochen und Backen mit dem Multicooker gut. Für das Niedrigenergiekochen nehme ich immer das Manuele Programm und kann da selber bestimmen, welche Gradzahl ich einstelle. Normaler Weise wählt man beim Slowkochen eine Temperatureingabe zwischen 60-120 Grad. Auch brate ich immer größere Mengen Fleisch als wie 250 Gramm an. Ich möchte ja nicht meinen Braten in mehrere Stücke teilen. Nur bei Gulasch und Geschnetzeltes brate ich das Fleisch in kleineren Portionen an, damit das Fleisch schön kross angebraten wird und kein Wasser zieht. Bei 230 Grad ist das schnell erledigt. Danach stelle ich ins Kochprogramm um. Ich habe mir auch den Rührturm zum Multicooker dazu bestellt gehabt. Ich benutze den Rührturm bei Speisen wie Pudding, Suppe, Reis, Marmelade etc. die schnell ansetzen, zum Rühren, vom Rand abschaben und wenden.Reis und Suppe bereite ich immer mindestens für 4 Personen zu.Bisher sind alle meine zubereiteten Speisen auch ohne Kochbuch gut gelungen. Die Zutaten für die zubereiteten Gerichte bleiben ja gleich. Nur die Garzeiten verändern sich, je nachdem welche Garmethode u. Gradzahl eingestellt worden ist. Das sind eben Erfahrungswerte. Man muss etwas mit dem Multicooker herum experimentieren. Beim Brot backen nehme ich das Backprogramm von 175 Grad. Meine Backöfen brauchen genauso lange wie der Multikocher dazu. Schade finde ich, dass der Dampf/Brateinsatz für den großen Topf, so klein ausfällt. Für 4 Personen reicht der leider nicht aus. Ebenfalls müsste ein Gerät in dieser Preisklasse; auch Speisen zerkleinern und aufschäumen können. Ferner muss ich immer den Brotteig vorher zubereiten, da weder der Multicooker noch der Rührturm einen haben.Es gibt von Kitchenaid eine beheizbare Rührschüssel, wo man einen Knethaken, einen Rührhaken und Schneebesen dazu bekommt. Nur man kann ja nicht alles von Kitchenaid kaufen. Die Sachen kosten ja auch paar Euro, aber sind qualiativ sehr hochwertig.
    Gruß: Biggi

    • 3. November 2015

      Hallo, Biggi – ich denke, es hat ganz viel damit zu tun, wie weit man sich auf das Gerät „einlassen möchte“ 😉 Du möchtest das, ich scheue die Einarbeitungszeit – jedem das Seine :-)

  • 19. Oktober 2015

    Das Problem an den meisten Multikochern ist, dass sie das Kochen eher schwerer machen und nicht leichter. Der KitchenAid sieht sehr hochwertig aus, hat aber anscheinend größtenteils die gleichen Schwächen wie alle Multikocher. Durch die Multifunktionalität sind sie für fast alle Kochvorgänge nur „mäßig“ geeignet und außerdem häufig nicht intuitiv in der Bedienung. Teilweise scheint dies auch am Ursprung des Reiskochers zu liegen, aber auch daran, dass deutsche Hersteller sich bis jetzt nur sehr sporadisch an diese „Innovation“ getraut haben.

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  • 1. September 2015

    Hallo,
    nachdem ich bei Gabi den Kitchenaid Multicooker gesehen habe, habe ich mich sofort in ihn verliebt und bestellt. Aufgrund deiner Erfahrungen habe ich gleich alle Stufen ausprobiert und mit einem Thermometer die Temperaturen gegengemessen.Alles im grünen Bereich 😊. Jedoch weiß ich nicht, wie ich die slowcooker high Stufe programmieren soll? Hat jemand Erfahrung damit? Die Beschreibung ist wirklich sehr kurz gehalten.
    LG

    • 2. September 2015

      Hallo, Namensvetterin 😉 Ich habe gehört, dass nur die KA-Multikocher in den USA die Slowcooker Stufen LOW und HIGH haben, auf meinen beiden (deutschen) Geräten stand da immer nur LOW und anschließend gleich Simmer. Aber man kann ja auch die Temperatur manuell eingeben – das müssten etwa 85 bis 90 Grad sein, denke ich…

  • 28. August 2015

    Hallo Gabi,
    ich habe diesen Multicooker und bin sehr zufrieden damit, er ist täglich in Gebrauch. Da ich einen 2.Multicooker habe, brauche ich das normale Kochfeld so gut wie gar nicht mehr.
    Die Bedienungsanleitung habe ich nur am Anfang gebraucht, eigentlich ist alles selbsterklärend.Ich brate und koche mit dem Teil, slowcooken habe ich noch nicht probiert, dürfte aber wirklich kein Problem darstellen. Joghurt z.B, wird hervorragend, allerdings mache ich den NICHT nach der Anweisung, ich glaube nicht, dass nach dieser Anleitung etwas herauskommen würde, da die Temperaur viel zu hoch ist ;-).
    Fazit: Wiederkauf? Auf jeden Fall, aber wieder ohne diesen Rührturm, den finde ich absolut überflüssig ( ist aber meine persönliche Meinung)
    LG Birgit

    • 28. August 2015

      Schön, dass du damit klar kommst, Birgit – ich glaube, ich bin einfach nicht der Typ „Multikocher“, weil ich einfach zu gerne rühr, rauf- udn runterschalte (wenn ich nicht gerade slowcooke) 😉

  • 12. August 2015

    Von so einem teuren Gerät hätte ich das nicht erwartet !!!
    In meinem Umfeld haben sich einige einen Multikocher von Lidl gekauft (53 Euro) und sind mit diesem Gerät sehr zufrieden -es funktioniert in allen Funktionen !!
    LG Karin

  • 11. August 2015

    So erging es mir mit dem Food-Processor-Aufsatz für die KitchenAid. Glücklicherweise musste ich mir das Gerät nicht erst kaufen, um festzustellen, dass es nicht taugt :-(

  • 11. August 2015

    Hallo Gabi,
    das liest sich nach Frust.
    Da ich mir zum Zeitpunkt als ich das Töpfchen entdeckt habe gerade die Prep&Cook von Krups gegönnt hatte, war die Geldausgabe gerade mal keine Option und wenn ich das jetzt so lese…. bin ich für mich froh das ich nicht zugschlagen habe obschon ich auch ein KitchenAif Fan bin.
    Bin schon neugierig ob dann Gerät Nr. 3 funktioniert.

    • 11. August 2015

      Ja, Swyma – das klang nicht nur so, das war Frust 😉 Ich bin noch nie zuvor 12 Stunden um eine Gulaschsuppe herum gestrichen und habe in mehreren Internetforen und Gruppen recherchiert, wann man beim Kochen denn wohl welchen Knopf wo drückt…

      • 12. August 2015

        Hallo Gabi,

        da hätt ich die Faxen dicke. Ich liebe Geräte die man zur not auch ohne Bedienungsanleitung versteht und bedienen kann. Ist auch wichtig, ich vermassele die nämlich des Öfteren so nach dem Motto… die leg ich gut weg damit ich sie auf keinen Fall wiederfinde. Ach nein das heißt ja … damit ich sie auf jeden Fall wieder finde.
        Ich wünsch Dir auf jeden Fall noch ein Erfolgserlebnis mit dem Teilchen.

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