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2 In für Slowcooker

Aus dem Slowcooker: Roastbeef

Roastbeef im Slowcooker zubereiten

Roastbeef im Slowcooker zubereiten

Lange habe ich gezögert, dagegen geredet, mich sogar gesträubt. Am Osterwochenende habe ich dann doch das 50-Euro-Fleischstück riskiert und räume nun ein: Ja, auch Roastbeef geht im Slowcooker (die frühere Bekehrungsgeschichte zum Spargel steht übrigens hier). Ja, ich habe im Crocky wunderbar saftiges, rosa Fleisch produziert. Ja, aber „Langsam kocht besser“ stimmt trotzdem nicht.

Denn aufwandsfreies Garen ohne Aufsichtspflicht ist das keineswegs, wenn man Roastbeef im Slowcooker zubereitet. Stattdessen simuliert man schlichtweg das Garen bei Niedertemperatur im Backofen und überträgt es auf den Slowcooker – nicht mehr und nicht weniger. Das Crocky-Roastbeef schmeckt nicht anders als das, das ich sonst bei 80 Grad im Ofen zubereite. Wobei der Backofen mehr Energie verbraucht (Minuspunkt für ihn), dafür aber die Temperatur genauer hält und damit die Garzeit besser einschätzbar macht (Minuspunkt für den Slowcooker).

Fertiges Roastbeef aus dem Slowcooker

Anlaß für den Test, den ich immer für völlig überflüssig hielt (wieso die nachweislich funktionierende Backofenmethode aufgeben?), war die Frage in einer Facebook-Slowcookergruppe: Was von diesem Rezept für Roastbeef zu halten sei? Ich schaute nach und fiel vom Glauben ab: 22 (!) Stunden Garzeit? Fleisch fast ganz (!) mit Wasser bedeckt? Bei einem Kurzbratstück, das innen rosa bleiben soll? In der Zeit mache ich aus Ledersohlen Pulled Schuh und aus soviel Brühe eine leckere Suppe 🙂

Genaueres Hinsehen bewies dann: Hier hatte jemand den englischen Ausdruck Roast Beef für ein  (naja, eher schlechtes) Rinderbraten-Rezept vergeben, die deutsche Leserin meinte jedoch, ein Rezept für Roastbeef (ein Wort) gefunden zu haben…

Nein, Roastbeef aus dem Slowcooker braucht keine 22 Stunden und keine zugefügte Flüssigkeit, aber einiges an Vorbereitungsschritten:

  • Das Fleisch muss vor dem Braten auf Raumtemperatur kommen. Ich reibe es mir scharfem Senf ein, würze es mit Salz und Pfeffer und lasse es dann etwa eine Stunde in einem Plastikbeutel ziehen.
  • Wie beim NT-Garen im Backofen muss das Fleischstück rundum (auch an den Seiten, vorne und hinten, nicht nur oben und unten) sehr scharf in heißem Fett (Butterschmalz oder Öl) angebraten werden. So bildet sich eine Kruste, die den Fleischsaft im Braten hält.
  • Ohne Fleischthermometer, mit der man die Kerntemperatur an verschieden dicken Stellen des Braten misst, geht es nicht. Ideal ist ein Gerät wie auf dem Foto unten (rote Skala), mit dem man sicherstellen kann, dass zudem die Temperatur im Garraum nicht über 80 Grad steigt. Denn  dann gerinnt das Fleischeiweiß (und macht das Fleisch fest).


Roastbeef aus dem Slowcooker
 
Ja, auch rosa gebratenes Roastbeef kann der Slowcooker produzieren - halt, nur den Rosa-Part, denn man muss das Fleisch zuerst in der Pfanne scharf anbraten. Dann gart man bei LOW im Slowcooker bis zur passenden Kerntemperatur zuende. Für dieses Rezept ist ein Fleischthermometer unbedingt vonnöten. Die Fleischmenge passte gut in einen 5,7-l-Topf.
Autor:
Zutaten
  • 2,2 kg Roastbeef, Raumtemperatur
  • 1 EL Senf
  • Salz, Pfeffer
  • 2 Gemüsezwiebeln
  • 4 Zweige Rosmarin
  • 2 Knoblauchzehen
  • 4 EL Butterschmalz
Zubereitung
  1. Das Fleisch mit Senf einreiben, mit Salz und Pfeffer kräftig würzen, eine Stunde ruhen lassen.
  2. Die Gemüsezwiebeln in 2 cm dicke Ringe schneiden und diese auf den Boden des Slowcookers legen, ebenso Rosmarinzweige und gepellte Knoblauchzehen. Slowcooker auf LOW anstellen.
  3. Das Butterschmalz in einem großen Bräter erhitzen und das abgetupfte Fleisch darin von allen (ja, allen, auch die Schnittseiten vorne und hinten) bei sehr großer Hitze scharf anbraten, bis sich eine leichte Kruste gebildet hat.
  4. Roastbeef in den Slowcooker transferieren und auf Stufe LOW bis zu einer Kerntemperatur von 55 (rosa) bis 60 Grad (leicht rosa, fast durch) an der dicksten Stelle garen. Bei meinem Fleischstück und meinem Topf dauerte das 3,5 Stunden - bei weniger Fleisch, das dünner geschnitten ist, aber länger angebraten wurde, können es aber auch nur zwei Stunden sein. Ohne Fleischthermometer ist die Ermittlung des Garzustandes ein Blindflug!
  5. Warm mit Bearnaise-Sauce servieren oder (wie bei uns) kalt mit Remoulade.

So sah das Roastbeef an einer dünnen Stelle bei 60 Grad Kerntemperatur aus – auf Wunsch meiner Gäste eher mehr durch als ich es bevorzuge.

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2 Kommentare

  • Antworten
    Birgit Schultz
    23. April 2017 um 12:54

    Herzlichen Dank für „22 (!) Stunden Garzeit? Fleisch fast ganz (!) mit Wasser bedeckt? Bei einem Kurzbratstück, das innen rosa bleiben soll? In der Zeit mache ich aus Ledersohlen Pulled Schuh und aus soviel Brühe eine leckere Suppe“ 😀
    Made my day!
    Zauberhafte Grüße
    Birgit

    • Antworten
      gfra
      23. April 2017 um 15:17

      Das Rezept für Pulled Schuh ist schon fest eingeplant für das nächste Slowcooker-Buch „Slowcooker around the world“ 🙂

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