So wie es in Deutschland einen Weißwurstäquator gibt, existieren vermutlich auch die Labskauslinie (irgendwo bei Bremen) oder die Rübenkraut-Region. Wo sich letztere befindet, lässt sich ganz leicht ermitteln: Erscheint Ihnen die Vorstellung von süßem Sirup auf Speckpfannkuchen , über Grützwurst oder Kartoffelreibeplätzchen eklig, wohnen Sie jenseits davon. Im Rheinland und in Westfalen ist Grafschafter Goldsaft dagegen Standard im Küchenschrank – als Brotaufstrich und als besagter süßer Kontrapunkt zu pikanten Pfannengerichten. Auch beim Backen ist er unverzichtbar – er macht das Schwarzbrot schön süßlich und ersetzt in amerikanischen Rezepten den Charakter, den dort der braune Zucker bringt. Genau wie Jutta huldige also auch ich beim aktuellen Blogevent Kulinarische Reise durch das Rheinland dem dunklen Zuckerzeugs. Ich habe in der Rheinischen Post ein Rezept für ein Rübenkrauteis gefunden, das mit gleich einer zweiten rheinischen Spezialität gepaart wird: Püfferkes, kleinen Hefepfannkuchen. Ein tolle Kombination und vermutlich der optimale Abschluss für ein rheinisches Sauerbratenmenü…
Knapp daneben ist auch vorbei: “Kulinarische Reise durch das Rheinland” lautet das Thema, das Chef, der Metzger hat gesagt für das aktuelle Food-Blog-Event ausgesucht hat. Hmm, das Rheinland ist zwar nur 20 km von hier entfernt, aber das Gericht, das es am Sonntag bei uns gab, hat keine rheinischen Einflüsse, sondern ist pur westfälisch. Gekochtes Rindfleisch mit heller Zwiebelsauce bildet tradionell den zweiten Gang des “Hochzeitsessens”, das in gutbürgerlichen Gaststätten serviert wird. Zum Auftakt gibt es die Rinderbrühe mit Einlage, es folgen Schmorbraten mit Sauce und Kartoffeln, den Abschluß bilden Herrencreme und/oder Welfencreme. Für einen normalen Sonntag ist das natürlich ganz schön viel Aufwand – ich habe also das Fleisch im Slowcooker schmurgeln lassen, bin mit meinem Mann wandern gegangen und habe abends nur noch die Sauce zubereitet. Wird das Rindfleisch als Vorspeise serviert, gibt es als Beilagen nur Silberzwiebeln und Gewürzgurken. Ich habe noch einige Salzkartoffeln dazu gekocht und einen Gurkensalat zubereitet – ich glaube, den Rheinländern vom anderen Ufer hätte das auch geschmeckt
========== REZKONV-Rezept – RezkonvSuite v1.4
Titel: Rindfleisch mit Zwiebelsauce, westfälische Art
Kategorien: Crockpot, Vorspeise
Menge: 8 Portionen
1 1/2 kg Rindfleisch, z.B. hohe Rippe, Brust oder
– Vorderkeule)
2 Ltr. Wasser
Salz, Pfefferkörner
1 Lorbeerblatt
1 Bund Suppengemüse (Porree, Petersilie, 1 Möhre,
– Sellerie)
1 Zwiebel, halbiert, Schnittflächen in der Pfanne
– braun geröstet
===================== FÜR DIE ZWIEBELSAUCE =====================
500 Gramm Zwiebeln
80 Gramm Butter oder abgeschöpftes Fett der Brühe
2 Essl. Mehl
1-2 Teel. Senf
1-2 Essl. Essig, weiß
1 Prise Zucker
Salz, Pfeffer
1 Eigelb, nach Belieben
============================ QUELLE ============================
– Erfasst *RK* 21.03.2011 von
– Gabriele Frankemölle
Das Suppengemüse klein hacken und in den Keramikeinsatz des
Slowcookers legen, obenauf das Fleisch geben. Wasser angießen,
Zwiebel, Lorbeerblatt und Pfefferkörner einlegen und mit Salz (1 – 2
TL) würzen.
Eine Stunde auf HIGH ankochen, dann etwa zehn bis 11 Stunden auf LOW
fertig garen, das Fleisch muss sehr weich sein.
Für die Zwiebelsauce die fein gehackten Zwiebeln in einem Topf im
Fett fünf bis zehn Minuten glasig andünsten, sie sollen nicht braun
werden. Das Mehl hinzufügen und anschwitzen. Mit ca. 1/2 Liter der
Fleischbrühe auffüllen. Mit Salz, Senf, Essig und Zucker abschmecken,
einige Minuten köcheln lassen. Wer mag, kann zur Verfeinerung mit
einem Eigelb legieren.
Die Soße heiß zum in dünne Scheiben geschnittene Fleisch servieren.
Dazu gehören traditionell Gewürzgurken und Silberzwiebeln.
Tipp: Restlichen Fond erkalten lassen, durchseihen und portionsweise
einfrieren – oder als Rindfleischsuppe zubereiten.
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Was das Anbraten von Fleisch und Gemüse vor dem Schmoren im Crocky angeht, so ist sich die Crockpot-Gemeinde uneins: Die einen sagen, es sei geschmacklich nicht nötig und es hebe eine mögliche Zeitersparnis wieder auf. Die anderen sagen, es sei geschmacklich vielleicht nicht nötig, aber es sorge für viel ansprechendere Optik und Sauce. Ich bin eindeutiger Anhänger der zweiten Faktion – siehe hier. Ein etwas “gekochtes” Aussehen des Fleisches und blasse Saucen gefallen mir nicht – ich mags lieber krustig und braun wie bei diesem köstlichen Altbierbraten. Die Sauce war wirklich ein Gedicht, da brauchte es kaum das zarte, saftige Fleisch. Stattdessen reichte es, einen Miniknödel nach dem anderen durch die zwiebelige Tunke zu schwenken
Eine Seite aus dem Buch der Essklischees, aber wahr: Wenn ich meinen Männern eine Freude machen möchte, dann bringe ich ein ordentliches Stück Fleisch auf den Tisch. Kartoffeln dazu und reichlich Sauce – und sie sind glücklich. Unglücklich schaut dann allerdings meine Tochter aus der Wäsche, die kaum Fleisch isst – und wenn, dann nur fast verkohlten Bauchspeck vom Grill oder von Oma geschmorte Rinderrouladen. Ihre seltsame Art von Vegetariertum erstreckte sich leider auch auf diesen Hackbraten, der im Slowcooker wunderbar saftig geriet. Wichtig ist nur, ihn nicht zu lange zu garen. Auf Stufe Medium oder LOW gelingt er besser als auf HIGH.
Larissatoday ist ein deutsches Foodblog, das ich vor zwei Wochen erst entdeckt habe – und seitdem schon zweimal für Nachkoch-Ideen zu Rate gezogen habe, erfolgreich
Das Hähnchenschenkel-Kartoffelblech wurde bei uns ein Hühnerbrust-am-Knochen-Kartoffelblech und kam sehr gut an, nur das Fotografieren habe ich leider vergessen. Gestern gab’s für 12 Gäste zum Abendessen die Spätzlepfanne, allerdings mit selbstgemachten Spätzle. Das Gericht war ein voller Erfolg: Deftig-kräftig, massengeschmack-tauglich und kindgerecht. Dazu gab es Feldsalat mit Kartoffeldressing und den köstlichen Trollinger mit Lemberger, den mir meine Freundin aus dem Ländle mitgebracht hat.
Als mein Sohn seinerzeit vom Schülerpraktikum nach Hause kam, roch er nach Motoröl und Schweiß. Meine Tochter kommt derzeit vom Praktikum nach Haus und riecht, nein duftet – nach Schokolade. In einer Pralinenmanufaktur malt sie Schokoweihnachtsmännern das passende Gesicht, bepinselt Waffeln oder schaut den Kolleg(inn)en über die Schulter, wie sie Trüffelfüllungen rühren. Den gelegentlichen Ausschuß oder Waffelbruch darf sie natürlich verzehren – kein Wunder also, dass sie nach sechs Stunden süßer Düfte nach Hause kommt und “unbedingt was Salziges” möchte. Deftig-kräftig soll’s sein? Da fielen mir diese Leberkäse-Rouladen mit Lauchfüllung ein, die sehr schnell gemacht sind und schön würzig schmecken. Dazu ein sahniges Kartoffelpüree – hmm… Das Rezept ist gleichzeitig mein Beitrag zum Garten-Kochevent Lauch, das der Gärtnerblog im September veranstaltet.
Durch die Foodblogs zieht derzeit der zarte Duft von Holunderblütendolden: Barbara serviert Holunderblüten-Rahmsülze, eine Art Edel-Panna-Cotta, die ich gleich morgen als Dessert zu einem Spargelmenü ausprobieren werde. Hungrig in San Francisco backt Hollerküchlein (und mag sie), Schnuppschnüss backt sie ebenfalls (und mag sie nicht). Titi Laflora hat Holunderblütensirup angesetzt, Kochsinn einen originellen Likör. Bei der Hedonistin gibt’s Holunderblütengelee auf’s Brot – und auch bei mir. Ihre Version ist allerdings wesentlich zuckerärmer als meine, die dafür noch etwas Weinwürze mitbringt. Ich glaube im nächsten Jahr probier ich mal ihr “Einkochen light” …
Manche Menschen haben seltsame Geschmäcker. Dazu zähle ich defiitiv auch meinen Sohn, wenn ich mir so angucke, was er sich nun als Wunschessen zu seinem 16. Geburtstag erkor: Als Hauptspeise Burritos mit Hühnchenfüllung, als Nachtisch Welfencreme, als Kuchen zum Kaffee “Kalte Schnauze”. Tex-Mex meets Westfalen and Kokosfett
Während ich sonst (zum Geburtstag) klaglos koche, was das jeweilige Familienmitglied verlangt, hatte ich mit der “Kalten Schnauze” echte Probleme. Nicht weil ich dachte, die sei zu schwierig zuzubereiten – nee, einige meiner übelsten kulinarischen Kindheitserinnerungen sind damit verbunden: Wackersteinschwere, harte Schokomasse, pudertrockene Kekse, bääh… Mein Sohn hatte den “Kuchen ohne Backen” allerdings einmal bei einem Schulfreund probiert und fand ihn extrem lecker. Also ging ich auf die Suche nach einem Rezept, das nicht so fürchterlich zu sein schien und bin beim Chefkoch fündig geworden. “Nur” 250 g Kokosfett in einer Art primitiven Mousse au Chocolat mit Eiern – das klang okay und schmeckte nicht einmal so übel. Zu meinem größen Erstaunen war die “Kalte Schnauze” der erste Kuchen, der beim Geburtstagskaffee verputzt war: “Boah, das hab ich wohl 25 Jahre nicht mehr gegessen!”…
Mit Vincent Klink zu kochen (naja, Gemüse für ihn zu schnippeln) hatte ich bereits die Ehre – als Gast in seiner SWR-Kochsendung Kochkunst. Der Name ist Programm: Der Stuttgarter hat eine unglaubliche Ruhe und Übersicht. Wo er mit leichter Hand ein paar Prisen von diesem und jenem in den Topf wirft, hier etwas schwenkt und dort etwas wendet, hätte unsereins zwölfmal abgeschmeckt und lautstark lamentiert, dass man nicht genug Hände für soooo viele Töpfe hätte. Kurzum: Vincent Klink hat mich beeindruckt, vor allem, da die Gerichte, die er so vermeintlich lässig kochte, hervorragend schmeckten.
Seitdem habe ich eine ganze Reihe von Klink-Rezepten nachgekocht, nicht nur die, die als Kochkunst-Rezeptabo per Mail kamen, sondern auch andere Fundstücke aus dem Internet. Besonders gelungen fand ich jetzt dieses Sonntagessen – Schweinebraten mit Malzbierkruste, vor allem aber einer Sauce zum Niederknien…
Mit den Jahren ändert sich der Geschmack doch gewaltig, stelle ich gerade fest, als ich nach langer Zeit mal wieder mein allererstes Kochbuch in die Hand nahm. Es heisst “Köstliches aus der alten Westfälischen Küche” und war ein Geschenk meiner wohlmeinenden damaligen Schwiegerma in spe. Sie wollte der seinerzeit 18-jährigen Abiturientin wohl zart bedeuten, wie man ihren Sohn ordentlich satt bekommt – mit dicken Eintöpfen, fettigen Pfannengerichten, Scheußlichkeiten wie Blutwurst oder dicken Bohnen. Nee, das hat mich damals förmlich gegruselt – aber heute mag ich Deftiges, wenn auch nur gelegentlich. Der Lipper Pudding allerdings, eine leicht-mandelige Creme mit Weißweinsoße, schmeckte mir immer schon. Er war das erste Gericht, dass ich aus dem Buch nachgekocht habe und gehört jetzt seit langem zum “Standardrepertoire”.
Willkommen im Club
Ulrike von Küchenlatein hat sich einen Crockpot zugelegt. In ihrem Blog hat sie schon einige sehr schöne Rezepte veröffentlicht, vor allem auch mal nicht so fleischlastige. Eines der ersten war eine “klassische”, deftige Erbsensuppe, die allerdings ihren 3,5-l-Topf fast zum Überlaufen brachte und sehr lange benötigte. Deine Vermutung war richtig, Ulrike: In einem größeren Topf, der etwa zur Hälfte gefüllt ist, geht’s schneller…
Dampfnudeln sind ein wenig heikel. Die süßen Hefeklöße können pappig bleiben, wenn zuviel Flüssigkeit zum Garen im Topf ist, anbrennen, wenn zuwenig vorhanden ist oder zusammenfallen, wenn man nachschaut, ob nun gerade der eine oder der andere Krisenfall eingetreten ist. Abhilfe schafft der Crocky mit seinen geringen Temperaturen und dem dichtschließenden, durchsichtigen Deckel. Man sollte ihm allerdings wirklich vertrauen und nicht doch zwischendurch mit einem Fingerdruck testen, wie weit die Klöße wohl sind… Ich konnte es nicht lassen und wurde prompt damit bestraft, dass die “inneren” Dampfnudeln, die keine direkte Hitze vom Topfrand abbekommen hatten, zusammen fielen. Die äußeren waren dagegen perfekt, mit einem leckeren, süßen Krüstchen. “Wammerl” kommt einem Westfalen nur schwer über die Lippen!




