Durch Petras herrlichen Artikel über die Hitliste der schrägsten Gerichte fiel es mir wieder ein: Da gab’s doch diese fantastische US-Webseite mit unsäglichen Food-Fotos vergangener Jahrzehnte? Eine Google-Suche brachte sie zutage: Lilek’s Gallery of Regrettable Food. Unfassbar, was Kochbuchverlage und Rezeptschreiber damals für appetitanregend hielten – Gelatinekreationen aus Dosengemüse und Tomatensuppe, Schinken in 7-Up-Marinade, aufrecht in Kartoffelpü platzierte Knackwürstchen, Barbecue-Burger mit Kondensmilch. Schon die Bilder lassen einen wohlig schaudern, wer die englischen Begleittexte von Autor James Lileks versteht, kommt vor Lachen kaum noch zum Luftholen: “Da sind Sie jetzt die ganze Nacht aufgeblieben, um die Schweinehoden mit diesem hübschen Riffelmuster zu versehen und niemand wollte sie essen. Und auch der Dip aus Hirnmasse, Blut und Käse fand keine Abnehmer…” Übrigens auch empfehlenswert: Lilek’s “Interior Desecrations” – Einrichtungsentweihungen der 60er Jahre.
Does my blog look good in this – steht das meinem Blog? Klar, so ein DMBLGIT-Banner steht wohl jedem Foodblog, selbst wenn es in diesem Fall nicht Auszeichnung, sondern nur Dekoration ist
Zorra hat mich nämlich eingeladen, gemeinsam mit ihr, Lorraine, Robert und Shari die Jury für die Januar-Ausgabe des bekannten Food-Foto-Wettbewerbes zu bilden. Ich bereite mich innerlich schon darauf vor, beim Sichten der Bilder diverse Heißhungerattacken zu erleiden, so “droolworthy” (appetitanregend) sind die eingereichten Bilder üblicherweise!
Wer den Wettbewerb noch nicht kennt, die Details finden sich hier und unten in Kurzform:
- Jeder Teilnemer darf ein Bild mit dem Thema Essen, Getränke, Lebensmittel einreichen. Es muss im Dezember 08 erschienen sein.
- Das Foto muss vom Teilnehmer selbst stammen und unbeschriftet sein (ein Copyrightvermerk ist in Ordnung).
- Die verlangte Bildbreite ist 500 Pixel, die Höhe spielt keine Rolle.
- Meldungen bis zum 20. Januar an die Mailadresse judgemypic(at)gmail.co
Gezwungenermaßen fotografiere ich seit mehr als 30 Jahren. Gleich am ersten Arbeitstag als 18jährige Redaktionsvolontärin beim BBV drückte mir ein Kollege eine Canon A1 mit den Worten in die Hand: “Einen Fotografen haben wir nicht, die Bilder musst du schon selbst machen!” Was ich dann mehr schlecht als recht auch tat – glücklicherweise hatte die A1 als erste Spiegelreflexkamera überhaupt eine Programmautomatik, die auch einem Einsteiger ohne Kenntnisse von Blende und Verschlusszeit akzeptable Fotos ermöglichte. Die schwere, laute, aber stabile A1, die ich jahrelang mit mir zu Terminen herumschleppte, hat meine Kamerapräferenzen geprägt: Ich habe gern etwas in der Hand beim Fotografieren, so eine filigrane digitale “Knipsbox” ist nichts für mich. Insofern habe ich lange an meiner privaten analogen Nikon F50 und meinen drei Non-AF-Wechselobjektiven festgehalten und bin erst 2003 auf Digitaltechnik umgestiegen, als Konica-Minolta mit der Dimage A1 eine “großformatigere” Kamera auf den Markt brachte.
Wow – ich bin sprachlos: Die Juroren der September-Ausgabe von Click, einem monatlichen Food-Fotowettbewerb, haben das Bild meiner Sweet Vanilla Challah auf den dritten Platz gesetzt. Platz eins belegte die Milk and Honey Challah von The Salty Cod, Platz zwei Beet and Goat Cheese Tartlets von Cookbook Catchall. Mein “fotografischer Glückstreffer” spielt da in einer ganz anderen (tieferen) Liga – dass er trotzdem (oder gerade deswegen?) ausgezeichnet wurde, freut mich ganz enorm!
70 Fotos zum Motto Kruste, Krume, Krümel waren insgesamt eingereicht worden – von Profis wie von Amateuren, von Blogautoren wie von Nicht-Schreibern, aktuell geschossen oder aus dem persönlichen Archiv. Diese Sowohl-als-auch-Regelung finde ich sehr gelungen, sie macht die Teilnahme unkompliziert – einfach ein passendes Foto zum aktuellen Thema mit einem Link auf den Wettbewerb veröffentlichen, fertig. Die Umsetzung des Themas bewertet eine Jury, Leser vergeben einen “Publikumspreis”. Dass die Veranstalter es untersagen, dass man im eigenen Blog oder Newsletter für die Abstimmung wirbt, finde ich ausgesprochen gut: Schließlich soll nicht der Sieger sein, der die meisten Besucher zur Abstimmung motivieren kann, sondern der, dessen Foto am besten gefällt.




