Beim Durcharbeiten des kiloschweren “1000 Recipes to try before you die” bin ich inzwischen bei 991 Rezepten angekommen, die ich bis zu meinem Ableben noch testen muss. Von den acht ausprobierten waren einige ganz gut (der syrische Brotsalat, die englische Blumenkohl-Cheddarsuppe), einige großartig (normannische Apfelcrepes, marokkanische Linsen-Fastensuppe) und eines ein kompletter Reinfall: Der geeiste Mangopudding mit Nüssen von den Fidschi-Inseln. Dabei klang die Zutatenliste so verheißungsvoll: Eine Milchcreme mit exotischen Gewürzen (Kardamom, Nelken, Pfeffer), kombiniert mit Macadamianüssen und Mangos. Wo Creme und Mangos allein noch hervorragend dufteten, schmeckte die geeiste Kombination aus beidem einfach schrecklich – da fehlte etwas Säure, das Aroma wirkte muffig und komischerweise bananig. Die Familie verschmähte das optisch sehr hübsche Dessert, aber die Hunde freuten sich über ein Löffelchen Menschenessen…
Die Hedonistin behauptet von sich , sie sei pizzadoof. Nun, dann bin ich vermutlich so etwas wie apfeltaschenblöde. Denn genausowenig wie ihr der perfekte Pizzaboden gelingen mag, so wenig schaffe ich es, Apfeltaschen zuzubereiten, die NICHT auslaufen. Ich habe schon Hefeteig versucht, Quark-Öl-Teig, fertigen und selbst gemachten Blätterteig. Ich habe Kreise, Halbkreise und Quadrate geformt. Ich habe den Rand mit der Hand zugeknifft, mit der Gabel zugedrückt, einen Maultaschen-Falt-Assistenten (wie heißen die Dinger wirklich?) benutzt. Ich habe wahlweise Eiweiß oder Dosenmilch als “Kleber” benutzt. Ergebnis: Mit schönster Regelmäßigkeit gehen mindestens 75 Prozent aller Apfeltaschen auf – wenn nicht vorne am “Verschluss”, dann hinten, weil ich den Teig zu stark gedehnt hatte. Endresultat: Große Sauerei auf dem Backblech und hoch aufgeblähte Teigtaschen gefüllt mit – fast nichts.
Rosa gebratenes Roastbeef, knusperbraune Bratkartoffeln, Remouladensoße, Feldsalat: Nachdem wir jahrelang zu Heiligabend eine Art Buffet aus erlesenen kalten Fingerfood-Köstlichkeiten genossen hatten, sollte es diesmal etwas Warmes geben. In bewährter Manier wurden die Aufgaben verteilt: Meine Schwester kümmerte sich um Salat und Sauce, meine Mutter um Bratkartoffeln und Dessert und ich übernahm den Fleischpart. “Große Braten” sind ja nicht wirklich meine Spezialität (siehe hier), aber mit einem wirklich guten Stück Roastbeef und der Niedrigtemperatur-Methode sollte ja wohl nix schiefgehen. Ha, von wegen!
Erfahrene BrotbäckerInnen wissen das: Brot backen ist im Prinzip (wie bei Radio Eriwan
nicht besonders viel Arbeit. Das Kneten erledigt die Küchenmaschine, die meiste Zeit steht der Teig und geht. Okay, abwiegen und formen kann keine Maschine – aber das dauert auch nicht sooo lange.
Sehr aufwändig fand ich allerdings die Zubereitung dieses Rain-and-Sun Braid, eines Hefezopfes aus der Bread Bible von Beth Hensperger. Seinen poetischen Namen hat das Gebäck wohl von den zwei verschiedenen Teigen – dem “sonnigen” mit Maismehl und Ahornsirup und dem “verregneten” mit dunklem Buchweizen und Buttermilch. Das klang vielversprechend – aber erfüllte die Erwartungen überhaupt nicht. Das Brot erschien mir eher trocken, der Charakter der unterschiedlichen Teige kam nicht gut heraus. Von wegen “Rain & Sun”, eher “Sägemehl zweier Couleur”, das auch noch einen Haufen Arbeit gemacht hat – gibt’s wohl nicht wieder.
Wie kann etwas, das sich als Rezept so lecker las und so appetitlich aussieht, so scheusslich schmecken??? Keine Ahnung… Jedenfalls verschmähten sämtliche Testpersonen (ich inklusive) diese Eiscreme mit frischer Minze und Schokostückchen. Erhofft hatte ich mir davon eine Art After-Eight-Geschmack (ich liebe diese Täfelchen heiss und innig), bekommen habe ich ein abgestanden wirkendes Aroma, dass sich auch Stunden nach dem Verzehr immer wieder unangenehm bemerkbar machte – hicks… Ich wäre wirklich dankbar für jeden Hinweis, was falsch gelaufen ist und was ich bei der Verwendung von frischer Minze noch beachten sollte. Ansonsten gebe ich meine Versuche mit dem Nachbau von After Eight besser auf – auch in gebackener Form war das nämlich ein Desaster!
Kategorie : Backen, Kochbücher
Born to Cook II von Tim Mälzer war ein Weihnachtsgeschenk – eines das bislang recht unbeachtet im Regal stand, weil mir nach mediterraner Sommerküche und Frischfisch noch nicht so recht der Sinn stand. Jetzt habe ich das erste Gericht nachgekocht bzw. nachgebacken – den “verkehrten Birnenkuchen”, bei dem das Obst unten in der Form landet, der Teig darüber. Nette Idee, vor allem wenn man wirklich reichlich Zucker und Butter als Unterlage verwendet, so dass sich eine Karamelkruste ergibt. Aber dafür reichten zwei Esslöffel brauner Zucker nicht…
Wenn man dieses Koch-Tagebuch so liest, könnte man meinen, ich sei Superwoman am Herd. Sorry, falls es so rüberkommt – bin ich nämlich bestimmt nicht! Mir brennt oft was an, Fleisch krieg ich mit schönster Regelmäßigkeit nicht butterzart und Rezepte, die sich wer-weiß-wie-toll lasen, erweisen sich als geschmackloser Pamps. In die Rubrik “Pleiten, Pech und Pannen” ordne ich auch diese Rollenplätzchen ein – obwohl aussehen tun sie klasse




