Ecuador: Kulinarische Notizen

QuitoAuf der Weltkarte ist Ecuador nur ein kleiner Fleck, aber geographisch, topographisch, klimatisch und ethnisch eines der vielfältigsten Länder der Erde. Vor allem aber ist es die Heimat unseres Gastschülers Carlos, der ein Jahr bei uns gelebt hat und jetzt in Guayaquil Architektur studiert. Seine Einladung – und die riesige Gastfreundschaft seiner Familie, Verwandten und Freunde – machten es uns möglich, zwei Wochen Costa und Sierra zu bereisen und das Land dabei ein bisschen kennen zu lernen.

Für uns Europäer dabei am ungewöhnlichsten ist sicherlich die klimatische Bandbreite des Landes: Während an der pazifischen Westküste (der Costa) Reis, Bananen, Zuckerrohr und Ananas wachsen, wähnt man sich gerade zwei Autostunden entfernt (hier die Sierra bei Azogues) in der Schweiz:

In den Höhen von 1500 bis 4000 Meter ist es so kühl, dass man sich mit traditionellen Getränken wieder aufwärmt. Probiert habe ich Morocho (Mais-”Milch” mit Zimt, Nelken und Rosinen), Canelazo (zimtiger Fruchtpunsch mit mehr oder weniger Aguardiente) und Chocolate Caliente. Die reichert man im Restaurant “Vista Hermosa” in Quito (Foto unten, wahrhaft ein traumhafter Blick über die Altstadt) mit Würfeln von ganz mildem Weichkäse an. Hört sich seltsam an, schmeckt aber gut – ein bisschen sahnig.

Die Straßenmärkte des Landes spiegeln den klimatischen Reichtum des Landes wieder. Im Hochland findet man vor allem Kartoffeln, Mais, Bohnen, Kohl und Obst, das wir auch aus heimischen Breitengraden kennen: Äpfel, Birnen, Trauben. Kleine “Tiendas”, die es an wirklich jeder Ecke gibt, liefern dazu Wasser, Colas, Kekse oder einfache Brötchen:

In den Küstenregionen ist die Küche eher reis- als maislastig, es wird viel Fisch gegessen. Kochbananen (Plantains) dienen als Chips (Chifles), als “Pommes” (Patacones) oder als Grundlage für Suppen und Eintöpfe.

In den nach US-Vorbild gestylten Supermärkten der Großstadt Guayaquil gibt es wirklich alles zu kaufen: Mahi-Mahi und Leberpastete, “Jägermeister” ($36) und “Ron Fuego 100″ ($6),  Feldsalat und Yucca. Kirschen und Trauben liegen neben Guaven, Papayas und -zig Obstsorten, deren Namen ich nicht einmal weiß. Obst und Gemüse (und Blumen!) sind spottbillig, Fleisch, Brot und Milchprodukte liegen etwas darüber. Als extrem happig empfand ich die Preise für jegliche Importware – Bekleidung, Schuhe, Autos, Elektronik, Möbel, Maschinen, weil das Land außer Erdöl und landwirtschaftlichen Gütern kaum etwas selbst produziert. Die Bevölkerung der Kleinstädte (hier Gualaceo) versorgt sich in Markthallen, die meinen verwöhnten Wohlstandskindern vor Augen führten, dass ein Schwein nicht aus Schinken und ein Huhn nicht nur aus Brust besteht. Ja, hier finden auch Kuhschwänze und Hahnenköpfe Abnehmer!

Im oberen Stockwerk des Gebäudes servieren Garküchen Getränke und landestypische kleine Gerichte wie Maisfladen, Hühnereintopf, Suppen oder auch Hornado, in Riesenöfen geröstete ganze Schweine mit knuspriger Kruste. Dazu gibt es Llapingachos, gebratene Taler aus würzigem Kartoffelpüree. Wie die Verkäuferin das Gericht servierte (ein beherzter Griff ins Innere, um das Fleisch heraus zu zupfen), verdarb meinen Kinder wiederum den Appetit – mir schmeckte das zarte Fleisch.

Einen Strich habe ich allerdings bei Cuy gezogen: Geröstete Meerschweinchen, eine Spezialität der Sierra. Sie sind größer als unsere Haustiere und glattfellig. Abgezogen werden sie auf dicke Stöcke gesteckt und über offenem Feuer geröstet. Schmecken sollen sie wie Hühnchen – ich war froh, dass keiner der Braten fertig war, denn dann hätte mir einer meiner Gastgeber bestimmt etwas angeboten…

Was uns dagegen allen schmeckte: Die frisch gepressten Säfte (Ananas, Naranjilla, Baumtomate, Orange, Brombeere) für Pfennigbeträge. Um den Vitaminüberschuss gleich wieder auszugleichen, bestellten wir dazu meist Empanadas (gefüllte Teigtaschen), Pan de Yuca (Yucca-Brötchen, die wie kleine Käsewindbeutel schmecken) , Humitas (Maispastetchen) oder Bolon de Verde (grüne Kochbananenklöße).

Marketing from Hell oder wenn der UPS-Mann zweimal klingelt

Während ich gerade den Anstrich meiner neuen Küche begutachtete, bog der farblich exakt dazu passende UPS-Kastenwagen in die Einfahrt. Da ich eh einige Pakete erwartete (Küchendeko!), kritzelte ich ohne groß nachzudenken meine Unterschrift auf das Touchpad und nahm einen kleinen Karton entgegen. Hmm, kein Absender, hmm, rappelnder Inhalt – die bestellte Lampe schon kaputt? Von wegen – der Inhalt des Kistchens bestand aus einigen Handvoll Erdnüssen und der mit usa-kulinarisch.de beschrifteten Fotomontage von Autoteilen. Ohoh, Fotos??? Ohohoh, Abmahnung? Ohohohoh, hat jemand diese Bilder auf meinen Webspace geschmuggelt und will mir jetzt was? Wer wie ich wegen solcher Dinge schon fünfstellige Schadensersatz-Summen über seinem Haupte schweben hatte, der nimmt seltsame Post zur eigenen Webpräsenz nicht mehr ganz so locker. Die Recherche über UPS ergab als Absender nur einen Namen, eine Google-Suche liefert die Adresse – eine  Werbeagentur in Ostwestfalen (puuh, keine Anwälte!). Ein Anruf dort führte dann zur Bestätigung der Vermutung von Bürokochblog:  Guerilla-Marketing. Ein “bekannter Markenartikler” stünde dahinter und es gäbe bald nochmal Post, sehr angenehme. Hmmh, ich hoffe jetzt auf Geschmeide, Gratis-Kreuzfahrt, großzügige Geldzuwendung – irgendetwas, dass mich für den anfänglichen Abmahn-Schreck entschädigt :-)

Linktipp: www.abgespeist.de

abgespeistDanke für den Tipp, Isa: www.abgespeist.de kannte ich bislang noch nicht, ist jetzt aber (wie es neudeutsch so schön heisst) gebookmarkt. In trendiger Werbeoptik, garniert mit den passenden Slogans (“Jetzt neu – mit verschlechterter Rezeptur”, “Außen Bio – innen Schwindel!”) stellt FoodWatch Mogelpackungen bloß und entlarvt Werbelügen auf Lebensmitteln: “Vitamine” in Bonbons, “Edelkakao” im Fertigpudding, Wellness-Drinks ohne Wellness und joghurt-schwere Schokolade. Per Mausklick lassen sich Protestbriefe an die jeweiligen Unternehmen verschicken.

Lese-Kostprobe: Effilee & eine Abhandlung über Produkttests

Hier hatte ich noch geschrieben, dass ich mich nicht für etabliert halte – aber die Produktproben-Welle hat mich doch erreicht. Wie Ulrike (Joghurt) oder Foodfreak (Suppenbasis) habe ich auch schon Lebensmittel gestetet – und den mir zugedachten Butteraufstrich zwar aufgegessen, aber nicht besprochen. Was sollte ich auch groß sagen? Weder die Tatsache, dass das Kerrygold Extra direkt aus dem Kühlschrank streichbar ist, noch die Reduktion an Fettprozenten haut mich um: Butter bewahre ich in der Speisekammer auf (und da ist sie eh streichbar) und die Konsistenz von Halbfett-Irgendwas behagt mir nicht. Entweder ich esse Butter und damit auch das entsprechende Fett – oder ich lasse es. “Lassen” ist das Stichwort: Gestern haben mich zwei Hefte und eine hübsche schwarze Schürze von Effilee, eines recht neuen Koch- und Lifestylemagazins aus Hamburg erreicht. Während mich der Inhalt durchaus begeistert, stoßen mich die hohläugigen Models in den Modestrecken einfach nur ab. Reportagen über Pferde als Fleischlieferant, die Herstellung von “Plastikspeisen” für Restaurants oder die Idee, ein Rezept in drei Varationen in drei Ländern kochen zu lassen, heben sich wohltuend vom Einerlei anderer Kochzeitschriften ab. Auch die Foodfotos gefallen mir – aber bitte lasst die unterernährten Fotomodelle der Modebeiträge außen vor! Die vermitteln alles mögliche – aber nicht das Konzept Lebensfreude. Da lobe ich mir Brigitte, die auf Mode ohne Models setzt.

10 Tatsachen, an denen Sie erkennen, dass Ihre besten Tage als FoodbloggerIn vorbei sind

… oder dass Sie einfach schon zu lange bloggen! Katharinas Anfrage, in einem Interview mit Ulrike meine seinerzeitige Liste abdrucken zu dürfen, hat mich (wie Ulrike) merken lassen, dass vieles auf mich inzwischen nicht mehr zutrifft. Nach mehr als drei Jahren Bloggen fehlen manchmal Inspiration oder Idee, manchmal bin ich einfach schreibfaul, weil ich beruflich ja schließlich auch noch tippe. Aus den 10 Tatsachen, an denen Sie erkennen, dass Sie FoodbloggerIn sind wurden also “10 Tatsachen, an denen Sie erkennen, dass Ihre besten Tage als FoodbloggerIn vorbei sind”…

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Blick aus dem Küchenfenster: Natur pur?

Als Journalistin bin ich sozusagen von Berufs wegen neugierig – naja, rein vom Charakter her vermutlich auch ;-) Jedenfalls lasse ich keine “Über mich”-Seite auf Webseiten aus und finde persönliche Ein- und Aussichten in Blogs sehr spannend – eben sowas wie die Küchenfenster-Idee von Barbara. Da wohnen einige höchst idyllisch, einige blicken in den Großstadtdschungel und andere auf schöne oder weniger schöne Nachbargärten. Mein Blick aus der Küche geht nur in den eigenen Garten (der nächste Nachbar ist 400 m Luftlinie entfernt) nach Norden und Osten und jeweils ins Grüne:

Natur pur? Von wegen, feix – so können Fotos täuschen. Erstens weht vom Schweinestall gegenüber (Foto oben) häufig Landluft hinein. Zweitens bildet unser Grund und Boden das Verkehrskreuz Rhede-Süd und wir sind auf vier Seiten von Schnell-, Bundes- und Landstraße umgeben. Egal, woher der Wind kommt – das Motoren-Hintergrundrauschen ist stets präsent, wenn auch optisch immerhin durch Wallhecken verborgen. Klingt schlimmer, als es ist – “man gewöhnt sich an allem”, wie der Westfale sagt…

Am schönsten ist der Ausblick jedenfalls im April/Mai, wenn der große Zierkirschbaum vor dem Nordfenster blüht: