Mein Verhältnis zu Cupcakes, den feinen Verwandten der robusten Muffins, ist ein ambivalentes. Einerseits finde ich die Törtchen superhübsch, und das Potential für Dekoration ist gewaltig. Andererseits habe ich bislang noch keinen Cupcake probiert, der geschmacklich hielt, was er optisch versprach: Rührteig-Küchlein mit viel zu süßer Cremehaube eben. Ja, sogar mir zu süß, obwohl ich mich sonst vor amerikanischen Brownie-Rezepten mit 450 Gramm Zucker nicht bange mache. Bislang am besten gefielen mir noch Cynthia Barcomis geheimnisvolle Schokoküchlein (da vor allem das Frosting) und der Teig der Oreo Cupcakes. Und das bleiben weiterhin die besten Ergebnisse, denn diese Bananen-Cupcakes mit Ganachecreme waren erneut keine Offenbarung: Der Teig bananig-süß (etwas für Kinder), die Haube sehr herb-schokoladig (also mehr für Große). Beides einzeln ganz ok, aber in Kombination nicht so toll. Aber immerhin sah es toll aus – Cupcakes eben!
Meinem Sohn habe ich die USA-Begeisterung wohl doch mehr oder minder in die Wiege gelegt. Jedenfalls schwärmt er für New York, Hummer-SUVs, die verrückten Motorräder von OCC, Hollywood-Actionfilme, CSI. Essenstechnisch haben es ihm Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken, Erdnussbutter angetan – und Oreo Cookies. Die gibt es inzwischen glücklicherweise auch im heimischen Supermarkt zu kaufen, so war für seine Geburtstags-Cupcakes keine Bestellung beim Spezialshop notwendig. Das Rezept für die zuckersüßen Törtchen (tscha, amerikanisches Rezept, wir reden von Zucker- und Fett-Exzessen!) findet sich auf -zig US-Webseiten (zum Beispiel hier), aber ich habe es bequemerweise von Kerstin übernommen, die mir damit die Übersetzungsarbeit abgenommen hat – danke! Zum oftmals nachgefragten Unterschied von Cupcakes und Muffins…
Bei Ulrike war mir das tolle Foto aufgefallen und ich habe mich über den Namen gewundert. Inzwischen weiß ich, wieso Dorie Greenspan diese süß-salzig-sandig-schokoladigen Kekse “World peace Cookies” genannt hat: “A daily dose of these cookies is all that is needed to ensure planetary peace and happiness.” Recht hat sie: Tolle Kekse, ein perfekte Textur, außen leicht krümelig-knusprig, innen schön weich. Ich habe eine Portion mit Fleur de Sel (wie im Rezept) gebacken, bei der anderen stattdessen gesalzene Macadamianüsse hinzugegeben – letztere fand ich noch besser. Das liegt aber sicherlich daran, dass ich jegliches Backwerk mit Macadamianüssen verehre
Nachdem die Limetten-Pudding-Törtchen aus dem Slowcooker (oder wahlweise aus dem Wasserbad) bei ihr und mir so gut gelungen waren, musste ich gleich noch eine Variation des Themas ausprobieren: Chocolate Peanut Butter Pudding Cake. Dabei wird ein flüssiger Guss auf einen festen Teig gegossen, später liegt der Pudding unter der saftigen Kuchenschicht. Soweit die Theorie. In der Praxis erwies sich die “Puddingschicht” als unmerklich und der Verzicht auf einzelne Förmchen als Fehler. Statt akkurater Küchlein konnte ich allenfalls formlose Löffelblobs auf die Teller zum Vanilleeis bugsieren. Der Geschmack der lauwarmen Schokomasse war allerdings himmlisch – schon gestern als vermeintlicher Zweischichten-Kuchen, erst recht heute als eine Art supersaftiger Brownie. Ich werde das Rezept also nochmal zu tunen versuchen…
Manche Menschen haben seltsame Geschmäcker. Dazu zähle ich defiitiv auch meinen Sohn, wenn ich mir so angucke, was er sich nun als Wunschessen zu seinem 16. Geburtstag erkor: Als Hauptspeise Burritos mit Hühnchenfüllung, als Nachtisch Welfencreme, als Kuchen zum Kaffee “Kalte Schnauze”. Tex-Mex meets Westfalen and Kokosfett
Während ich sonst (zum Geburtstag) klaglos koche, was das jeweilige Familienmitglied verlangt, hatte ich mit der “Kalten Schnauze” echte Probleme. Nicht weil ich dachte, die sei zu schwierig zuzubereiten – nee, einige meiner übelsten kulinarischen Kindheitserinnerungen sind damit verbunden: Wackersteinschwere, harte Schokomasse, pudertrockene Kekse, bääh… Mein Sohn hatte den “Kuchen ohne Backen” allerdings einmal bei einem Schulfreund probiert und fand ihn extrem lecker. Also ging ich auf die Suche nach einem Rezept, das nicht so fürchterlich zu sein schien und bin beim Chefkoch fündig geworden. “Nur” 250 g Kokosfett in einer Art primitiven Mousse au Chocolat mit Eiern – das klang okay und schmeckte nicht einmal so übel. Zu meinem größen Erstaunen war die “Kalte Schnauze” der erste Kuchen, der beim Geburtstagskaffee verputzt war: “Boah, das hab ich wohl 25 Jahre nicht mehr gegessen!”…
Mit einem Kuchenbuffet begeht Zorra den dritten Jahrestag der Kochtopf-Blogevents. An dieser Stelle auch von mir “Happy birthday” – aber vor allem “besten Dank” für die vielen guten Gemeinschafts-Kochideen aus dem Hause Zorra und von den vielen anderen Mitstreitern! Hmm – was stellt man denn auf die sich vermutlich biegende Kuchentafel? Ich habe mich für einen hübsches Exemplar aus meinem derzeitigen Lieblings-Backbuch entschieden, das die Aromen von Banane und Schokolade vereint. Sieht klasse aus, schmeckt überirdisch gut und es muss ja keiner wissen, dass man darin drei überreife Bananen und die von Weihnachten übrig gebliebene Zartbitter-Kuvertüre versteckt hat!
Den sehr kitschig anmutenden Namen habe ich diesen lockeren Schokoteilchen mit Bedacht verpasst. Im Original heißen sie nämlich Schokoladen-Mayonaise-Cupcakes und das ist eine Bezeichnung, die die meisten wohl sehr abschreckend finden. Auch ich habe erst eine ganze Reihe anderer Rezepte aus Cynthia Barcomi’s Backbuch nachgebacken, bevor mich das hinreißende Foto zu diesen Törtchen doch noch verleitet hat, das Experiment zu wagen. Mayo im Kuchen? Das ist übrigens gar nicht so abwegig, wie es klingt, denn gute Majonaise besteht schließlich aus kaum mehr als Öl und Eigelb. Die schlichte, vollfette sollte es für dieses Rezept allerdings schon sein, keine Salatcreme, keine Remoulade, keine mediterrane Variante mit Olivenöl und schon gar nicht – Gott bewahre! – Aioli
Die Schokoteilchen werden sehr schön locker und schmecken gar nicht nach Mayo. Das Frosting aus saurer Sahne und weißer Schokolade gefiel mir ausgesprochen gut, es ist cremig und (sehr unamerikanisch!) nicht zu süß.
Was tun mit dem Rest des süßen Grundteiges vom Wochenende? Die Frage klingt, als ob ich mir Gedanken machen müsste, was ich denn wohl backen solle. Falsch, ganz falsch. Was Backen angeht, muss ich mich bremsen: “Halt, Gabi, so lange der Kuchen von gestern noch nicht aufgegessen ist und noch sieben Brote im Tiefkühler schlummern, wird nicht schon wieder ein Teig angesetzt.” Wenn Eltern und Schwiegereltern unter der Kuchen-Mitbringsel-Last stöhnen, wenn zufällige Besucher sich nicht entscheiden können, welche der drei Sorten Gebäck sie jetzt probieren sollen, dann muss ich mal wieder einen (Back-)Gang zurück schalten. Aus genau diesem Grund wird auch der süße Grundteig nach der 5-Minuten-kein-Kneten-Methode kein Stammgast im Kühlschrank. Ich finde ihn ausgesprochen lecker und praktisch, aber sein stetiges Vorhandensein würde nur dazu führen, dass ich dauernd Zimtschnecken rolle oder Haselnuss-Schoko-Zöpfe flechte. Obwohl: Barbaras norwegische Skoleboller mit Pudding muss ich mit diesem Teig noch unbedingt ausprobieren!
Welch Ehre
Mein Beitrag ist “Türchen eins” im diesjährigen kulinarischen Adventskalender, den Zorra im Kochtopf startet. Als ich mir die lange Liste der Rezepte durchsah, die 2005 und 2006 bereits vorgestellt wurden, verfiel ich jedoch erst ins Grübeln: Hmmh, was hatten wir denn noch nicht?
Auftritt Brownie-Mix im Glas: Diese selbstgemachte Backmischung für amerikanische Schokoschnitten ist seit Jahren meine “Allzweckwaffe” als kleines kulinarisches Geschenk zu Weihnachten. Die Kosten sind gering, der Aufwand ebenso und das Resultat sieht nett aus: Ein Einliter-Einmachglas (wer hat die nicht noch dutzendweise im Keller stehen?) mit säuberlich geschichteten Backzutaten, daran eine hübsch gestaltete Backanleitung. Dem/der Beschenkten sollte man nur mitgeben, dass der Mix innerhalb von vier Wochen verbraucht werden sollte, damit die Nüsse nicht ranzig werden. Und unbedingt dazu sagen, dass amerikanische Brownies wirklich so zähneschädigend süß und kompakt sind! Sie halten sich sehr gut einige Tage und schmecken am besten “a la mode”, mit einem Klecks Vanilleeis.
Ich trau mich kaum es zu sagen: Diese Muffins sind (seit Jahren!) das Lieblingsgebäck meines inzwischen 15-jährigen Sohnes. Kinder und Alkohol? Geht gar nicht, ist sonst meine Auffassung. Und üblicherweise verzichte ich konsequent in Desserts, Marinaden etc. auf Wein oder härtere Sachen, wenn die Kinder mitessen. Ausnahme sind diese Muffins, auf deren Geschmack mein Sohn irgendwann kam, als die Küchlein unbeobachtet zum Abkühlen in der Küche standen:”Wow, Mama, die sind oberlecker!” Ja, das sind sie – und obwohl Alkohol drin ist (200 Milliliter dickflüssiger, gelber holländischer Advocaat) schmecken sie nicht danach. Der Likör sorgt für eine vanillige, reichhaltige Note und gibt eine tolle Farbe, die Prozente verfliegen (hoffentlich) beim Backen. Kennt dafür jemand eine Formel: Wieviel der 14 Prozent Alkoholgehalt sind nach 20 Minuten bei 180 Grad im Ofen noch da???
Eigentlich hatte meine Freundin Birgit bereits im vergangenen Jahr dem Schoko-Schlemmen abgeschworen. Auch meine Schoko-Brownies mit Trüffelcreme hatten sie seinerzeit nur in ihrem Vorsatz bestärkt: Es wird definitiv weniger Schokolade gegessen, naja, meistens. Aber an seinem Geburtstag darf doch über die Stränge schlagen, oder? Also habe ich ihr wieder Schokokuchen gebacken und zwar den sündigsten, den ich finden konnte: Chocolate Chocolate Cupcakes, ein Rezept aus der New Yorker In-Bäckerei von Billy Reece. Dort holen sich dem Vernehmen nach sogar Tom Cruise und Katie Holmes ihre Cupcakes, wenn sie der süße Hunger packt.
Wie kann etwas, das sich als Rezept so lecker las und so appetitlich aussieht, so scheusslich schmecken??? Keine Ahnung… Jedenfalls verschmähten sämtliche Testpersonen (ich inklusive) diese Eiscreme mit frischer Minze und Schokostückchen. Erhofft hatte ich mir davon eine Art After-Eight-Geschmack (ich liebe diese Täfelchen heiss und innig), bekommen habe ich ein abgestanden wirkendes Aroma, dass sich auch Stunden nach dem Verzehr immer wieder unangenehm bemerkbar machte – hicks… Ich wäre wirklich dankbar für jeden Hinweis, was falsch gelaufen ist und was ich bei der Verwendung von frischer Minze noch beachten sollte. Ansonsten gebe ich meine Versuche mit dem Nachbau von After Eight besser auf – auch in gebackener Form war das nämlich ein Desaster!



