Nee, ich halte keine Diät (obwohl ich müsste). Nee, ich glaube nicht, dass ein paar Gemüsesorten meine Fettverbrennung so ankurbeln, dass ich essen kann soviel ich möchte und trotzdem abnehme. Nee, ich hätte keine Lust, zwei Wochen lang Kohlsuppe und Obst zu verzehren. Warum ich trotzdem magische Kohlsuppe koche? Nun, es ist meine eigene Art magischer Kohlsuppe: Ein kleines Wunder allein schon daher, dass sie im Familienkreis bei allen (!) gut ankam. Ein bisschen Zauberei ist auch die Kohlrouladen-Geschmacksnote, die so ganz ohne Wickeln und Anbraten zustande kommt. Stattdessen gart der Crockpot das herzhafte Kraut-Hack-Süppchen, Herdplatte und Backofen bleiben kalt – ein nicht zu vernachlässigender Faktor bei den derzeitigen Tropentemperaturen. Am besten schmeckte mir die Suppe lauwarm und mit zusätzlicher Gemüsebrühe verdünnt (ein Zugeständnis an die Hitze), im Winter würde ich sie “dicker” kochen.
Wer sparen will, muss antizyklisches (Kauf-)Verhalten an den Tag legen: Nicht vor Ferienbeginn tanken, Gartenmöbel im Winter erstehen, den Skianzug im Sommer. Wer seine Familie verärgern will, kocht zudem antizyklisch: Gebackene Auberginen zu Weihnachten und Wintersuppen rechtzeitig zur ersten Hitzewelle des Jahres. Sorry, ihr Lieben – das Pensum für’s geplante Suppenkochbuch muss abgearbeitet werden und im Vorrat fanden sich passenderweise Hackfleisch und Lauch. Also gab’s Lauch-Käse-Suppe, diesmal im Crocky zubereitet. Nachdem ich mich auf ungezählten Parties zwischen 1995 und 2005 daran mehr als satt gegessen habe, schmeckt mir dieser Partysuppen-Klassiker inzwischen wieder ausgesprochen gut. Durch Verwendung von (wenig) Light-Schmelzkäse ist die Suppe auch nicht ganz so fett, aber trotzdem schön würzig und gemüsig. Also vormerken für November
Wir starten ein kleines Küchenquiz: Wenn Sarah Wiener in ihrem Kochbuch eine “Kichererbsensuppe mit Minz-Käse-Wantans” aus 500 Gramm getrockneten Kichererbsen (ergibt gegart etwa 1200 Gramm), 1,5 Liter Brühe und einem Liter Sahne kocht, für wie viele Personen ist das wohl berechnet?
Und wie lang ist die Garzeit, wobei wir die Einweichzeit der Kichererbsen NICHT berücksichtigen?
a) 2 Stunden b) 1 Stunde c) 15 MinutenHätten Sie’s gewusst? Richtig ist laut Original jeweils Antwort c – Sarah Wiener hat offensichtlich extrem hungrige Gäste. Und die sind dann noch so ungeduldig, dass sich der Koch genötigt sieht, eingeweichte, aber ungekochte Kichererbsen nach nur 15 Minuten Garzeit bereits zu pürieren. Das hätte eine schöne Sauerei gegeben, wenn ich zu dem Zeitpunkt meinen Zauberstab in den Topf gehalten hätte
Ich habe das Rezept also erheblich verändert, indem ich die Mengen stark reduziert und vorgegarte Kichererbsen verwendet habe. Dann aber hat mir das Süppchen sehr gut gefallen, noch etwas Chili für etwas mehr Pep hinzu – hmm, leichter Indien-Einschlag, aber ziemlich schwer vom Charakter her. Eher eine Wintersuppe…
Die Suppenkampagne wird fortgesetzt – zum Leidwesen meines Sohnes (der Suppen hasst) und zur Freude meiner Tochter (die Suppen liebt). Sorry, Junior – für das angedachte Suppenkochbuch fehlt (mindestens) noch ein Dutzend Rezepte. Hier ist eines, das mit minimalem Aufwand eine leckere Vorspeise ergibt – Broccoli-Cremesuppe mit scharfem Chefddarkäse abgeschmeckt. Nichts raffiniertes, aber gute Hausmannskost, preiswert und magenfüllend – für die schlichten Momente des Koch-Daseins.
Nicht dass das angedachte “52 Wochen – 52 Suppen”-Crockpotbuch schon in irgendeine konkrete Phase getreten wäre, aber *eigentlich* habe ich die Hälfte des Materials schon beisammen. Diese milde Cremesuppe ist Nummer 31 meiner privaten Suppensammlung – und gleichzeitig ein Musterbeispiel für’s Suppenkochen im Crockpot. Die Zutaten werden einfach in den Topf gegeben, garen schonend in (bevorzugt selbst gekochtem) Gemüsefond) und werden zuguterletzt schön glatt püriert. Verfeinert mit etwas Milch oder Sahne, serviert mit knusprig-würzigen Roqueforttoasts macht das delikate Selleriesüppchen echt etwas her und lässt nicht im mindesten erahnen, wie wenig Mühe das Kochen bereitet hat. Obwohl ich sonst kein Knollensellerie-Fan bin und um Staudensellerie sogar einen weiten Bogen schlage, hat mich diese Suppe überzeugt.
Zu spät für das Mozzarella-Manifest der Buntköchin, aber früh genug für einen Aha-Effekt: Soviel Geschmack steckt sogar in Gartentomaten, die nach nicht allzuviel Sonne in den Gefrierschlaf gewandert waren? Das lässt für wirklich frische und reife Tomaten Gewaltiges erwarten
Die Suppe ist extrem unaufwändig zuzubereiten, da die Tomaten nicht gehäutet und die Zwiebelwürfel nicht vorgedünstet werden. Wer rustikaleres, stückiges Aussehen mag, muss sie am Ende nicht einmal pürieren – wer Kinder wie meine hat, hält allerdings den Stabmixer hinein und streicht die Suppe am Ende noch durch ein Sieb. So ist sie ganz samtig-glatt. Die Mozzarella-Kräuter-Kügelchen sind sowohl farblich als auch geschmacklich und temperaturmäßig ein wunderbarer Kontrast.
Von dieser würzigen Kürbissuppe würde ich am liebsten ein ganzes Fass zubereiten und großzügig an alle Crocky-Nichtkenner oder -Skeptiker verteilen. Nach minimaler Vorbereitungszeit (geschätzte zehn Minuten) kocht sie sich selbst im Slowcooker und nach weiteren fünf Minuten Fertigstellung (pürieren, würzen, anrichten) bringt frau ein raffiniertes Herbstsüppchen auf den Tisch. Ähnlich ist es mit der Zucchinibisque aus dem Crockybuch, die Jutta hier vorstellt. Hmm, Ulrike hatte es schon mal angedacht: Vielleicht sollten wir tatsächlich ein weiteres Crockybuch nachlegen? Arbeitstitel “52 Wochen, 52 Suppen”…
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Mein Arbeitstag besteht im Moment aus [STRG]+[B], [ALT]+[C], [STRG]+[V], [STRG]+[S]. Im Klartext: Crockpot-Rezepte in der RezKonvSuite bearbeiten, in die Zwischenablage kopieren, in Word einfügen, formatieren und speichern. Da ich für das (vermutlich) im Mai erscheinende Slowcooker-Kochbuch den ganzen Tag Essen denke und schreibe, kann ich nicht auch noch Essen produzieren. Stattdessen habe ich Zutaten auf Vorrat eingekauft, eine Rezeptliste zusammengestellt und lasse konsequent den Crocky schmurgeln. Vorgestern gab’s Paella-Reispfanne, gestern Gulasch und heute Serbische Bohnensuppe – ein sehr leckeres Rezept von Testköchin Isabell.
Das BBQ-Restaurant Famous Dave’s in Fredericksburg, Virginia, ist der Familie in lebhafter Erinnerung geblieben: Während unseres Sommerurlaubes in den USA kehrten wir dort ein und bestellten das “Famous Feast for four”. Was daraufhin serviert wurde, hatten wir so noch nicht gesehen: Auf dem umgedrehten Deckel einer großen, amerikanischen Alu-Mülltonne trug die Kellnerin eine ganze Seite Rippchen, ein Grillhuhn, BBQ-Schweinefleisch, Fritten, Krautsalat, Maiskolben, Bohnen, Maismuffins und diverse Saucen herein. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits die köstliche Chicken-Wildrice-Suppe als Vorspeise im Bauch und konnte vom Hauptgericht nur noch einige Häppchen probieren. Auch die anderen drei kapitulierten bald, so dass wir den Rest im “Doggybag” mit ins Hotel nahmen und am nächsten Tag nochmals satt wurden. Famous Dave’s würzige Saucen und Marinaden gibt es hierzulande leider nicht zu kaufen – insofern habe ich mich am Nachkochen der Rippchen noch nicht versucht. Für die Suppe habe ich jedoch hier ein Rezept gefunden, das gut klang und ohne “cream-of-irgendwas”-Fertigdose auskam. Sehr empfehlenswert – aber bestimmt nicht als erster Gang, wenn als zweiter das “Famous Feast” folgt. Hätte die Kellnerin mich nicht warnen können???
Ich bin zwar lupenreiner “Wessi”, aber manchmal wünsche ich mir die DDR zurück. Nicht, weil ich Anhängerin der Linken bin oder finde, dasses “drieben” besser war – nein, aus Sentimentalität. Und weil Schnuppschnüss Jutta beim aktuellen Blogevent “Sentimental Journey” genau solche Geschichte hören möchte, erzähle ich sie hier…
In meinen Teenie-Jahren in den 70ern verbrachte ich die Sommerferien üblicherweise bei Oma Anna “in der Ostzone”. Gelegentlich habe ich meine Klassenkollegen, die ins Sauerland-Lager oder nach Rimini fuhren, beneidet. Aber auch ich konnte mit tollen Urlaubserlebnissen aufwarten, die mancher Freundin vermutlich wie aus einer fremden Welt vorkamen: Die ganze Nacht durchgeschwoft bei der Dorfdisco im Gaststättensaal (verboten), nächtliche Rollertour mit der “Schwalbe” zum Baggersee (verboten), Ausflug in Geisterdörfer nahe des Braunkohlentagebaus (verboten), Ausflug in die “Hauptstadt der Republik” (für Wessis eigentlich auch ohne An- und Abmeldung bei der Polizei verboten). Shoppen hieß damals noch “einholen” oder “besorgen” und fand wahlweise gegen Devisen im Intershop (Ananas für die Bowle) oder gegen Ostmark (Wein und Schnaps für die Bowle) im Konsum statt. Mensch, meine Cousins und Cousinen – was konnten die feiern! Und wenn es nicht nur etwas zu trinken, sondern auch etwas zu essen gab, dann war das meist Soljanka. In diese säuerliche Suppe russischen Ursprungs kamen reichlich Fleisch- und Wurstreste und ordentliche Mengen Spreewaldgurken. Dazu gab’s Butterstulle (natürlich Graubrot) oder aufgebackene Schrippen – musste man die nicht schon eine Stunde nach Kauf aufbacken, weil sie so schnell zäh wurden? Dafür hatten sie Substanz und “hielten vor”…






