Wie seinerzeit das Hokkaido-Milchbrot wandert gerade wieder ein Backwerk durch die Foodblog-Szene: Der Artisan Free Form Loaf nach einer wirklich verblüffend einfachen 5-Minuten-Methode. Chaosqueen hat das US-Original gebacken, Ilka hat es weiter ausgetüftelt, Schnuppschnüss es zu Baguettes geformt und Petra hat’s zu Haferflocken-Buttermilchbrötchen und einem süßen Zopf umgemodelt. All die appetitanregenden Fotos haben mich neugierig, so ist denn hier meine Version mit etwas Vollkornmehl, des guten Gewissens wegen!
Was Backzutaten angeht, sitze ich an der Quelle – mit einem Mann, der in einer Mühle arbeitet, und auf Zuruf Anruf selbst ausgefallenste Mehle mitbringt. Spezialität des Familienbetriebes ist das Schälen des harten Buchweizens. Gerade zwei Mühlen in Deutschland verstehen sich noch darauf! Buchweizen hat mit Weizen nichts zu tun, sondern ist ein Knöterichgewächs, das kargen Boden bevorzugt. Aus Buchweizenmehl, Wasser und kaltem Kaffee (kein Witz!) werden in unserer Region die traditionellen westfälischen “Pannekoken” gebacken. Als Brotmehl ist der dunkle, nussige Buchweizen weniger bekannt – Grund genug, zum World Bread Day ein Buchweizenbrot zu backen! Das Rezept stammt aus einem kleinen Kochbuch der Mühle mit Buchweizen- und Kamut-Rezepten und ist das wohl schnellste Brot, das ich bisher gebacken habe. Der Teig muss nicht einmal gehen, sondern wird kurzerhand in der Kastenform in den nicht vorgeheizten Ofen geschoben.
Erfahrene BrotbäckerInnen wissen das: Brot backen ist im Prinzip (wie bei Radio Eriwan
nicht besonders viel Arbeit. Das Kneten erledigt die Küchenmaschine, die meiste Zeit steht der Teig und geht. Okay, abwiegen und formen kann keine Maschine – aber das dauert auch nicht sooo lange.
Sehr aufwändig fand ich allerdings die Zubereitung dieses Rain-and-Sun Braid, eines Hefezopfes aus der Bread Bible von Beth Hensperger. Seinen poetischen Namen hat das Gebäck wohl von den zwei verschiedenen Teigen – dem “sonnigen” mit Maismehl und Ahornsirup und dem “verregneten” mit dunklem Buchweizen und Buttermilch. Das klang vielversprechend – aber erfüllte die Erwartungen überhaupt nicht. Das Brot erschien mir eher trocken, der Charakter der unterschiedlichen Teige kam nicht gut heraus. Von wegen “Rain & Sun”, eher “Sägemehl zweier Couleur”, das auch noch einen Haufen Arbeit gemacht hat – gibt’s wohl nicht wieder.
Meine Familie besteht aus echten Westfalen, die Brot entweder als blütenweißen Stuten oder rabenschwarzen Pumpernickel mögen. Hefezopf, Rosinenbrot und Schwarzbrot essen sie, ein mildes Haferflockenbrot auch noch. Mit Verachtung wurden dagegen in den letzten Wochen meine Sauerteigversuche gestraft, egal ob es sich nun helles Sauerteigmischbrot oder Ölsaatenbrot handelte. Und auch das Möhren-Sonnenblumenkern-Brot, mein Beitrag für den Bread Baking Day 3, fand keine Gnade: “Riecht zu sauer!” Hmm, mir schmeckt es – aber wie soll ich komplette Brote allein aufessen? Ich schätze mal, meine Sauerteig-”Karriere” endet damit, bevor sie richtig angefangen hat…
Vor Hefe mache ich mich nicht bange, vorm Brotbacken demzufolge auch nicht – schon gar nicht, seitdem meine KitchenAid auch zähe Teige mischt und knetet. Sauerteig ist allerdings etwas, an das ich mich noch nicht gewagt habe. Als chronischer Matheversager zucke ich schon zusammen, wenn ich sowas wie “97 Prozent Hydration” lese – herrjeh, wie rechnet man das denn aus? Als leicht chaotische Natur widerstrebt es mir zudem, mich regelmäßig mit dem Ansatz beschäftigen zu müssen. Ob der meinen Kühlschrank annektiert, wenn ich vergesse, ihn zu füttern? Oder stirbt er einen stillen Tod, vorwurfsvoll vor sich hinschimmelnd?
Glücklicherweise gibt es auch Brote, die nach Sauerteig schmecken, obwohl keiner drin ist – zum Beispiel dieses Joghurt-Mischbrot, schön feucht und mit leckerer Kruste. Die Flüssigkeitsmenge scheint allerdings etwas hoch zu sein. Ich habe zwei, drei EL Vollkornmehl zusätzlich hinzugefügt, damit der Teig nicht mehr ganz so arg klebt.
Kategorie : Brot, Kochbücher
Backen ist Meditation – naja, oder so ähnlich. Für Esoterik habe ich ja eigentlich nix übrig, aber in Edward Espe Browns Buch-Besteller ” The Tassajara Bread Book” stehen schon einige kulinarische Weisheiten und schöne Gedanken. So zum Beispiel, dass ein gutes Brot mehr benötigt als Mehl, Wasser und Hefe, nämlich achtsame Zubereitung und Zeit. Vor allem aber stehen viele tolle Rezepte drin, die im Ersterscheinungsjahr 1970 gerade zu revolutionär waren: Brot aus Vollkornmehl – und das in den USA, wo das blendend weiße Pappbrot dominiert! Das Grundrezept “Tassajara Yeasted Bread” (Tassajara ist übrigens ein Zen-Kloster in Kalifornien, in dem Brown kochte) war das erste, das ich nachgebacken habe – mit Erfolg: Ein lockeres Weizenvollkornbrot, nicht zu herb, mit einer eher soften Kruste. Sowas kommt auch bei Kindern gut an…
Nachdem das Cranberry-Knuspermüsli im Wunderkessel-Forum eine Flut an Nachfragen ausgelöst hat, habe ich einen zweiten Versuch gestartet – mit anderen Zutaten, einer leicht veränderten Garmethode, aber einem ebenso leckeren Ergebnis. Dieses Müsli mit Honig und Mandeln ist leicht zimtwürzig und vom Preis her ein echter Knüller, wenn man es mit den Gourmet-Müslis von Dr. Ö oder Onkel H vergleicht. Zudem sind Zeit- und Arbeitsaufwand wirklich überschaubar – einmal abwiegen, zweimal mischen und ein paarmal umrühren ergeben ein Kilo Granola, das für mindestens ein Dutzend Frühstücke reicht.
Noch Bedarf für ein Last-Minute-Geschenk? Ich habe in meinem Slowcooker (normaler Backofen geht natürlich auch) Knuspermüsli geröstet. Kein “normales” mit Rosinen und Honig, sondern die us-amerikanische Version mit Ahornsirup und getrockneten Cranberries. Die Zucker- und Fettmenge habe ich allerdings reduziert, was auch den “Klumpfaktor” der Masse beinflusste. Herausgekommen sind also keine Müsli-Brocken, sondern -Flocken. Dem Geschmack tut das aber keinen Abbruch – das Müsli ist sehr aromatisch, nicht so süß und die leicht herben Cranberries bringen Pep.
Von der Menge her ergab das Rezept zwei normale Weckgläser voll, die ich eigentlich beide verschenken wollte. Beim Verkosten durch die Familie verschwanden allerdings schon einige Portionen, so dass ich den Rest nun in ein großes Einmachglas gefüllt und das verziert habe. Ich seh’s schon kommen: Ich muss nochmal Müsli rösten…






